Entstehungsgeschichte der Symbiose zwischen Senatsverwaltung, Anstaltsleitern und Haftkrankenhaus im Berliner Strafsystem

Um den plötzlichen Rauswurf von Justizstaatssekräter Flügge zu verstehen muss eine wichtige Symbiose im Berliner Strafsystem analysiert werden. Der Staatssekräter ist hier der eigentliche Strippenzieher, besser informiert als der jeweilige Justizsenator und der "starke Mann" im Hintergrund. Die Durchsetzungsfähigkeit hängt ganz erheblich von der Loyalität der Beamtenschaft ab.
Rückblende: vom 2.2.1981 bis 16.4.1981 gab es einen bundesweiten Hungerstreik von Gefangenen der RAF und Widerstand dem sich auch soziale Gefangene anschlossen. Eine schwere Krise auch für die Berliner Justiz, man wollte den Forderungen nicht nachkommen - ein toter Gefangener würde die linke Szene weiter radikalisieren. "Leschhorn war Knastarzt in Moabit und weigerte sich zwangszuernähren. Justizstaatssekräter Alexander von Stahl unterstellte Dr. Leschhorn die Forderungen der Gefangenen zu unterstützen weil er sich weigerte im Haftkrankenhaus die Zwangsernährung durchzuführen. Leschhorn habe sich geweigert Krankenakten an die Justizverwaltung raus zugeben. Deshalb zog er sich den ganzen Hass der Jusizbürokratie unter von Stahl zu. Er wurde mit allen bürokratischen Tricks und Erpressungen drangsaliert, disziplinarisch belangt und öffentlich verleumdet. Akribisch wurde diese Disziplinierung vom Chef der Justizverwaltung - von Stahl - in Gang gesetzt. Im Januar hielt Leschhorn diese Verfolgung nicht mehr aus und beging Selbstmord. Das war mehr als die Rache an einem ungeliebten Arzt. Die eigenen Reihen wurden gesäubert und sichergestellt, daß die Justiz über eine Ärzteschaft verfügt, die keine Skrupel mehr kennt, die wenns nötig ist auch loyal foltert." (zitiert aus Info zum Börsenprozeß 3/4, Frankfurt Mai 1990)
Nachfolger von Leschhorn war Dr. Rainer Rex. Er wurde in 24 Jahren Moabit zum starken Mann, dadurch das er alles deckte und jede Anordnung von Staatsanwälten, BKA Verhörspezialisten und Justizsenatoren durchführte wurde er unantastbar.
Im jetzigen Medikamentenskandal wäre er eigentlich der Verantwortliche gewesen, aber was sollte G. von der Aue machen?
Rex feuern bedeutet alle Skandale der letzten Jahre könnten hochkommen und die Beamtenschaft rebellieren und ein neuer Mann steht nicht zur Verfügung für diesen Job. Flügge wollte Rex feuern - auch um seine Frau die als Ärztin unter Rex arbeitet ,aus der Schusslinie zu nehmen. Aber Rex war stärker. Flügge ist ersetzbar und hat nicht genug Dreck am Stecken um andere mitzureißen.
Gegen die Beamten ,die im RBB die Vorwürfe erhoben hatten die zu dieser Affäre führten, werden derweil Flugblätter des Bundes der Strafvollzugsbediensteten mit Drohungen in Moabit ausgehängt. Bleibt abzuwarten wer als nächstes stirbt.